Vorurteile über Geistheiler
Hier ein super interessanter Artikel von meiner Kollegin Anett Metz:
Wenn ich neue Menschen kennenlerne, irgendwann das Gespräch auf den Beruf kommt und ich dann erzähle, dass ich mich mit geistigem Heilen beschäftige, passiert mir fast jedes Mal dasselbe: Ich werde von oben bis unten gemustert und plötzlich sitzt mir statt des eben noch aufgeschlossen freundlichen Gesichts ein völlig erstauntes, skeptisches gegenüber. Dann kommt fast immer eine Bemerkung der Art, dass ich überhaupt nicht so aussehen und erst recht nicht so wirken würde. Wenn ich dann nachfrage, wieso, kommen fast immer dieselben Antworten. Eigentlich muss ich gar nicht mehr nachfragen, aber ich höre es immer wieder gerne.
So oder ähnlich sieht nach der landläufigen Meinung ein Geistheiler aus:
Vorurteil 1:
Ein Geistheiler trägt zerknitterte, verwaschene Leinenkleidung, die auf jeden Fall schon bessere Tage gesehen hat, oder zumindest irgendetwas in der Art.
Vorurteil 2:
Ein Geistheiler ist ungepflegt und sieht immer ein bisschen verwittert aus, weil das seine Natürlichkeit unterstreicht. Er benutzt niemals Makeup.
Vorurteil 3:
Ein Geistheiler kümmert sich auch sonst nicht groß um sein Aussehen, weil Gott ihn so geschaffen hat und es an Blasphemie grenzte, wenn er sich eigenmächtig an dieser Kreation zu schaffen machte.
Vorurteil 4:
Ein Geistheiler ist unbedingt Vegetarier oder noch besser Veganer.
Vorurteil 5:
Ein Geistheiler trinkt keinen Alkohol und raucht auch niemals.
Vorurteil 6:
Ein Geistheiler ist niemals fröhlich oder ausgelassen, weil das Leben viel zu ernst ist. Im äußersten Falle lächelt er weise.
Vorurteil 7:
Ein Geistheiler versucht in jeder Lebenslage, alle Menschen zu missionieren und sie auf den rechten Weg zu bringen, den nur er wirklich kennt.
Vorurteil 7:
Ein Geistheiler verachtet materielle Dinge und den schnöden Mammon, er ist kurz vor der Erleuchtung, wenn nicht schon darüber hinaus, und hat derlei Dinge nicht mehr nötig.
Vorurteil 8:
Ein Geistheiler redet nicht über normale Dinge. Auch darüber ist er längst hinaus.
Vorurteil 9:
Ein Geistheiler verachtet die Schulmedizin. Er weiß es besser.
Ja, und dann treffen die Leute mich und ihr Weltbild bricht auseinander. Ich liebe schöne Kleidung und eine gepflegte Erscheinung. Ich lache gerne, bin an vielen Dingen interessiert und freue mich, Menschen aus allen Bereichen kennenzulernen. Auch solche, die nicht an Geistheilung glauben, sind oft eine Bereicherung für mich.
Ich esse Fleisch und trinke Alkohol. Ich liebe das Leben und die Menschen. Wenn ich glücklich bin, kann ich für meine Klienten wesentlich mehr tun. Und das wissen sie zu schätzen. Außerdem finde ich es wundervoll, für meine Arbeit angemessen bezahlt zu werden.
Weiterhin erachte ich die Schulmedizin als äußerst wichtig. Es ist arrogant zu denken, dass es ohne Ärzte ginge. Auch ich gehe regelmäßig zum Zahnarzt. Man denke sich die Ärzte weg – was wäre bei schweren Unfällen oder akuter Blinddarmentzündung?
Ärzte sind einfach eine Berufsgruppe, die unter ebenso vielen Vorurteilen zu leiden hat wie wir Geistheiler auch. Aber sie sind da nicht allein. Wie oft hört man ähnliche Märchen über Handwerker und Künstler?
Wir müssen uns einfach darüber klar sein, dass es in jeder Branche seriöse Menschen gibt und unseriöse. Leider machen die unseriösen meist mehr von sich reden und ziehen so eine ganze Branche in den Dreck.
Denn ich muss schon zugeben, dass es Geistheiler gibt, auf die die oben aufgeführten Punkte durchaus zutreffen, von den selbst ernannten Heiligen ganz zu schweigen. Aber ich kenne auch viele, die sich von den sogenannten normalen Menschen nicht unterscheiden, mit denen man sich angeregt unterhalten kann und die ein wertvoller Teil der Gesellschaft sind.
So wäre es schön, wenn meinem Berufszweig ein bisschen mehr Vertrauen entgegengebracht würde und die paar schwarzen Schafe nicht als allgemein gültig genommen werden.
Und all jenen, die ihre Vorurteile lieber behalten wollen, sei gesagt: Auch das ist in Ordnung. Vielleicht haben Sie ja einmal schlechte Erfahrungen gemacht oder haben einfach nur Berührungsängste mit diesem Thema.
Denn wie Robert Downey Jr. im Film „Air America“ schon sagte: „Es gibt keinen Grund eine gute Theorie aufzugeben nur weil sie nicht stimmt.“
Foto: Julia Rinck
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Verfasst von Hannes Schleeh am 18. April 2010 - 17:50.sdfgd